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Fachdidaktik Datenverarbeitung

1 Rahmenbedingungen und Besonderheiten der Fachdidaktik Datenverarbeitung

Die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der Unternehmen steigen durch globale Trends (Megatrends), wie z.B. die Globalisierung der Weltmärkte. Damit steigt zeitgleich die zu bewältigende Informationsflut. Durch diesen rasanten technologischen Wandel findet immer mehr eine Verkürzung der Halbwertzeit für Wissen auf dem Gebiet der Informationstechnologie statt.
Einher geht diese Entwicklung mit einer entscheidenden Veränderung der betrieblichen Geschäftsprozesse – sowohl im Hinblick auf die Zunahme betrieblicher, wie auch nationaler und internationaler Netzwerkstrukturen.
Daraus leiten sich natürlich Fragen ab, wie im informationstechnischen Bereich auf Veränderungen, die sich insbesondere durch ein Ansteigen von Komplexität, Dynamik und Unanschaulichkeit der betrieblichen Prozesse angemessen zu reagieren ist.
Die grundsätzliche Schwierigkeit im Fach Datenverarbeitung besteht in dem Problem, dass beim Eintritt in das Referendariat, der Kenntnisstand der Kollegen oft bereits veraltet ist oder neue Wissensgebiete komplett nicht vorhanden sind. In der Regel besitzen die Referendare aber genügend transferfähiges Wissen, um neue Strukturen schnell adaptieren zu können.
Trotzdem muss festgestellt werden, dass ein reibungsloser Einsatz der Kollegen wegen Mängeln in der Fachsystematik oft nicht möglich ist.

2 Elaborative und integrierte Sequenzierung

Schlüsselcharakter für die Vorgehensweise in der Fachdidaktik Datenverarbeitung ist die konkrete berufliche Lebenssituation des Referendars (Hier-und-Jetzt-Situation). Unter konkreter beruflicher Lebenssituation ist der tatsächliche berufliche Einsatz in den verschiedenen Schularten und Klassen zu verstehen. Die Fachdidaktik Datenverarbeitung bemüht sich, ihren Dienstleistungsauftrag so zu interpretieren, dass didaktische Analysen, methodische und mediale Planung, Durchführung und Evaluation eines Unterrichtes zunächst erstrangig aus dem Bereich des konkreten Unterrichtseinsatzes behandelt werden. Außerdem wird elaborativ vorgegangen, das heißt, dass zunächst eine einfache (aber trotzdem vollständige) fachwissenschaftliche Struktur und ein daraus resultierender didaktischer Ansatz vermittelt werden.

2.1 Bildungsstandards

Für die zu behandelten Lehrplaninhalte sollten standardisierte Anwendungstools mit ihrer Servicefunktion für betriebliche Prozesse, Kommunikationsmodelle und Strukturierungshilfen, wie z.B. Entity Relationship Modell, Unified Modeling Language, Struktogramm, ereignisgesteuerte Prozesskette, Objektorientierung u.ä. zur Anwendung kommen. Im Mittelpunkt stehen außerdem Informationsobjekte (relationale Datenbanken) in vernetzten Systemen einschließlich Internet und Intranet (dynamische websites). Deren Persistenz sollte genügend hoch sein, um sicher zu sein, dass nicht modernistische Inhalte in der Fachdidaktik Datenverarbeitung behandelt werden. Es ist darauf zu achten, dass informationstechnologische Grundprinzipien zur Anwendung kommen.
Zunächst werden die Lehrpläne der disziplinenorientierten Fächern bzw. Inhalte vor denen des lernfeldorientierten Curriculums gemeinsam bearbeitet.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass das Fach Datenverarbeitung kaufmännische Probleme zu lösen hat. Die dabei ablaufenden realen Prozesse des Faches Betriebswirtschaftslehre sind daher oft Leitfaden für die Stoffstrukturierung des Faches Datenverarbeitung. Folgende Betrachtungsweisen sind genauer zu ergründen:
• Der unterschiedliche Bildungsauftrag der Bildungspläne und deren Ziele im Voll- und Teilzeitbereich.
• Zuerst findet eine disziplinenorientierte Betrachtung statt (Fach Datenverarbeitung mit tendenziell eindimensionaler Orientierung) später wird sowohl sichten- als auch schichtenspezifisch ausgeweitet (interdisziplinäre, mehrdimensionale Orientierung).
• Verkettung der informationstechnischen Bildungspläne mit denen des Fächerbereichs Betriebswirtschaftslehre und Rechnungswesens und denen der zuführenden Schulen und des dualen Partners.
• Umsetzung der Bildungs- und Lehrpläne in didaktische Jahresplanungen mit systematischer Berücksichtigung inhaltlicher, methodischer und medialer Zielsetzungen.

2.2 Didaktische Analyse

Wichtig für die Stoffauswahl und Anordnung ist die fachwissenschaftliche Strukturanalyse. In Ergänzung dazu soll der Referendar lernen die fachdidaktischen Hinweise der Lehrpläne zu beachten. Die quantitative und qualitative Stoffauswahl und die Grundsätze der Stoffanordnung stehen im Mittelpunkt. Zu berücksichtigen ist die jeweilige Unterrichtssituation unter Berücksichtigung des speziellen Charakters, z.B.: Tooleinsatz zur Lösung kaufmännischer Probleme an Teilzeitschulen oder der algorithmische Ansatz an den Vollzeitschulen, der verschiedenen fachlichen Teilgebiete.
• Stoffanalyse nach fachsystematischer Struktur und
später prozessorientierter und lernfeldorientierter Perspektive;
• Beachten des Prinzips der vertikalen und horizontalen didaktischen Reduktion;
• Lernzielformulierungen im Sinne von Bildungsstandards;
• Förderungsmöglichkeiten von Schlüsselqualifikationen;
• Planung eines koordinierten und integrierten Unterrichts besonders mit dem kaufmännischen Fächerfeld;

2.3 Methodische Planung

Um die in der didaktischen Analyse bestimmten Lernziele zu verwirklichen, müssen die pädagogischen Prozesse strukturiert werden. Auch hier werden bei der fachdidaktischen Arbeit das Prinzip der elaborativen und integrierten Sequenzierung beachtet. Zunächst ist ein sicheres Arbeiten mit tradtionellen Unterrichtsverfahren das Ziel. Wert gelegt wird in den ersten Monaten, dass den Referendaren grundlegende Fertigkeiten für den klassischen Unterricht vermittelt werden. Dies ist zwingende Voraussetzung für ein sicheres Arbeiten mit schwierigen Lehr- und Lernarrangements wie zum Beispiel mit den exzessiv handlungsorientierten Methoden. Später wird das gesamte Methodenrepertoire verwendet, damit Handlungssituationen im übergreifenden Kontext für Referendare begreifbar werden. Die Förderung von vernetztem Denken, selbstgesteuertem Lernen und interdisziplinäre Ansätze sind Verpflichtung für die Fachdidaktik Datenverarbeitung.
Schwerpunktmäßig werden behandelt:
• Motivationsaufbau / Unterrichtseröffnung
• Unterrichtsgliederung / Artikulation des Unterrichts
• Unterrichts- und Sozialformen (lehr- und lerndominante Formen)
• Verfahren der Stoffentwicklung
• Medieneinsatz
• Sicherung und Kontrolle des Lernerfolges
• Reflexion

2.4 Durchführung und Evaluation von Unterricht

Von zentraler Bedeutung ist der unterrichtliche Einsatz während des Vorbereitungsdienstes in den verschiedenen Schularten und Klassenstufen und mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten. Zur erwachsenengerechten Ausbildung gehört eine Transparenz der Beurteilung von Unterricht seitens der ausbildenden Lehrer. Hier ist auch der kritische Bereich der Lehrerpersönlichkeit zu beachten. Ein fairer Umgang bei der Analyse der Unterrichtsstunden der Referendare und Fachleiter wird eingeübt. Dies soll den Kollegen ermutigen, auch später seinen Unterricht kritisch hinterfragen zu lassen.

Die Leistung der Schüler beurteilen
Der Referendar ist mit den Grundsätzen der Leistungsbeurteilung im Unterricht vertraut zu machen. Das gemeinsame Erstellen und die Korrektur von Klassenarbeiten in den verschiedenen Schularten sollen den Referendaren helfen, Beurteilungsgerechtigkeit und Beurteilungssicherheit zu erlangen. Eine gemeinsame Entwicklung und der Einsatz von schriftlichen und mündlichen Bewertungsformen ist zu verwirklichen. Auch der datenverarbeitungstechnische Einsatz bei Prüfungen muß analysiert werden. Darüberhinaus sind die diffizilen Beurteilungen im Sinne einer Projektkompetenz zu thematisieren.

Kommissionsmitglied:
Meyer, Hermann, Prof., Seminar Stuttgart

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