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Fachdidaktik Gestaltung, Grafikdesign, Produktdesign

Seminare für Schulpädagogik (BS) Baden Württemberg
Ausbildungsziele und Ausbildungsinhalte der Fachdidaktiken
- Gestaltung
- Grafikdesign
- Produktdesign

Spezifika für den Fachbereich Gestaltung, Grafikdesign und Produktdesign


1 Bedeutung der Gestaltung für den Bildungsauftrag

Gestaltung und deren Umsetzung umfasst zweidimensionale, dreidimensionale und virtuelle Produkte und Dienstleistungen.

Die Konzeption und Gestaltung von Medienprodukten und die zu deren Umsetzung notwendigen Techniken im Druck- und Medienbereich sind einem äußerst schnellen Wechsel unterworfen. Dabei ist die Gestaltung in hohem Maße von den zur Verfügung stehenden Mitteln abhängig und wird von diesen beeinflusst. Eine Trennung in die Fachdidaktiken Gestaltung (Grafikdesign und Produktdesign), Fotografie, Medientechnik und Drucktechnik wird daher zwangsläufig zu inhaltlichen Überschneidungen führen. Aufgrund der Breite der dargestellten Themen ist sie jedoch unabdingbar. Die Einführung offener Lehrpläne und neuer Unterrichtsformen (Lernfelder) erfordert eine Flexibilisierung der schulischen Organisationsstrukturen und der Prüfungsordnung.

Die nachfolgend aufgeführten Ausbildungsziele und Ausbildungsinhalte können dem Referendar/der Referendarin daher nur in enger Verbindung mit berufsspezifischen Anforderungen ihrer Unterrichtsbereiche vermittelt werden. Grundlagen für deren Erarbeitung und Konkretisierung sind die Aussagen der jeweiligen Bildungspläne.

2 Fachdidaktische Modellbildung

In der Begegnung mit Gestaltung vollzieht sich ein wesentlicher Teil des Erfassens unserer modernen Welt. In der Auseinandersetzung mit der Gestaltung und im Erfassen ihrer Zusammenhänge wird der junge Mensch geformt. In dem Maße, in dem Gestaltung verstanden wird, eröffnen sich Perspektiven für die Zukunft. Der Bedeutung der Gestaltung entsprechend soll die Referendarin/der Referendar die Vielfalt der Problemstellungen erkennen, die mit der beruflichen Bildung und Ausbildung junger Menschen zusammenhängen.

Oft wird im Zuge der Neukonzeption von Systemen oder Dienstleistungen (z.B. der „Gestaltungsfreiraum“ des Lehrers beim Unterrichten) von „Gestaltung“ gesprochen. Bei der Gestaltung, die hier gemeint ist, liegt das Schwergewicht auf den Produkten, die für den Gebrauch, für den praktischen Nutzen konzipiert sind. Sie ist in ihrer Hochform gleichzusetzen mit „Angewandter Kunst“, nicht mit Kunst. Um gestalten zu können bedarf es zunächst grundlegender Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, Konzeptionen zu entwickeln und mit Formen und Farben, mit Gestaltungselementen im zweidimensional-grafischen Bereich und/oder dreidimensionalen Bereich so umzugehen, dass gestalterische Qualitäten sichtbar werden. Mit den formal-ästhetischen Grundlagen sind dabei immer auch inhaltliche Umsetzungen kombiniert.

Gestaltung und Design ist nicht nur im Produkt– und Grafik-Design, sondern auch im Handwerk die Visitenkarte eines Unternehmens. Außerdem ist gute Gestaltung für Kunden eine immer wichtigere Entscheidungshilfe beim Kauf und eine Orientierungshilfe, die bei der Suche des eigenen Images hilft. Damit ist Gestaltung eingebunden in einen sozio-ökonomischen Rahmen und stellt einen bedeutenden Marketing-Mix-Faktor für die Wirtschaft dar.

Die Referendarin/der Referendar lernt die Bedeutung und Aufgaben der einzelnen Schularten in den verschiedenen Fachdidaktiken kennen. Dabei sollen die von den unterschiedlichen Zielsetzungen der einzelnen Schularten abgeleiteten Schwerpunktbildungen durch einen exemplarischen Vergleich der jeweiligen Lehrpläne deutlich werden, wie z. B.

- Die Stellung der fachlichen Bildung und die Bedeutung der Fächer bzw. Lernfelder für schulische und berufliche Qualifikationen
- Die Bedeutung überfachlicher Kompetenzen
- Die Beziehung der Fächer bzw. Lernfelder zueinander
- Die Notwendigkeit des ständig zu aktualisierenden Bezugs zur Praxis

3 Fachliche Kerninhalte

Die berufliche Ausbildung, besonders in gestaltungsbezogenen Berufsfeldern muss daher Gestaltungs-Kompetenz entwickeln und fördern. Gestalten lernen heißt Mut zu eigenen kreativen Äußerungen zu bekommen und sensibel zu werden für Gestaltungsprobleme, deren Lösung immer auch in einer gesellschaftlichen Verantwortung steht. Insofern sich Gestaltung nicht nur auf ein Fach sondern auf eine Haltung den Dingen und Räumen unserer Umgebung gegenüber bezieht ist gestalten lernen auch ein Beitrag zu einer Gestaltungs-Kultur – in der Schule und darüber hinaus – das heißt: ein allgemeiner Bildungsfaktor und ein Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung.

„Design“ ist hier als spezielle Gestaltung zu verstehen - als Gestaltung, die auf spezifische Produkte bzw. Produktbereiche zugespitzt ist. So sind in diesem Fall die Begriffskombinationen wichtig: Produktdesign, Grafik-Design, Textil-Design, Mode-Design. Auch im Design sind die allgemeinen Gestaltungs-Grundlagen gefragt und notwendig, aber Design ist in aller Regel auf konkrete Anwendungen unmittelbar bezogen. „Design“ ist daher spezifischer auf ein Berufsfeld oder eine bestimmte Profession ausgerichtet und beinhaltet deren spezielle Gestaltungs-Problematik viel mehr als „Gestaltung“. Eine Gestaltungs- Fachdidaktik kann offener und unspezifischer sein und wird auch didaktisch-methodische Grundlagen übergreifender behandeln als die Design-Fachdidaktik.

Die Fachdidaktiken in Gestaltung und Design (Grafik-Design, Produktdesign) setzen sich mit den methodischen Problemen der Vermittlung der besonderen Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten, die gestaltende Tätigkeit und gestalterisches Urteilsvermögen erfordern, systematisch und reflektierend auseinander. Die Umsetzung in den verschiedenen Spektren des beruflichen Schulwesens und in unterschiedlichsten Berufen stellt hohe Anforderungen an die Flexibilität der entsprechenden Lehrerinnen und Lehrer und verlangt in der Fachdidaktik, dass die Problemstellungen der Berufsfelder je nach Teilnehmerschwerpunkt integriert werden.

Die Refrendarin/der Referendar erkennt, dass die Schüler im Unterricht neben Fachkompetenz auch Methoden und Sozialkompetenz erwerben. Er lernt diesbezüglich Möglichkeiten der Erziehung kennen und umsetzen, wie z. B.:
das Schulen von logischem, planerischem und verknüpfendem Denken und Handeln
das Einüben transferfähiger Strategien und Methoden für Problemlösungen
das Zusammenarbeiten im Schülerverband

4 Didaktik und Methodik des Fachbereichs Gestaltung

Auf Grund der unterschiedlichen Ansprüche des Bildungangebotes von Sonderberufsschule, Berufsschule bis zu den Fachschulen und den beruflichen Gymnasien erfordert der Fachbereich Gestaltung in der Interpretation eine hohe Flexibilität des Lehrenden. Hinzu kommen noch die unterschiedlichen beruflichen Ausrichtungen wie Bau-, Farb-, Holz-, Medien-, Druck- und Werbetechnik, Schmuckgestaltung, Keramik, Gestaltung im visuellen Marketing, Werbegestaltung sowie die schulischen Schwerpunkte in Berufskollegs und am Technischen Gymnasium Gestaltungs- und Medientechnik.

Inhaltlich erfordert eine solche Vielseitigkeit im schulischen Alltag die Vermittlung allgemeingültiger Elemente der Visuellen Kommunikation. Diese dient als Basis für die Weiterentwicklung im jeweiligen Berufsfeld. Die gemeinsame Basis bildet den Grundstock der Ausbildung am Seminar. Je nach Einsatz im entsprechenden Berufsfeld muss die Spezifikation in der Gestaltung von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erarbeitet werden.

Die Didaktik und Methodik des Faches muss generell darauf Bezug nehmen, dass Gestalten lernen eher ein Schulungsweg als eine Sache des reproduzierbaren Wissens ist. Freilich spielen Wissenselemente auch hier eine Rolle aber für die Herstellung von Gestaltungsqualität wesentliche Fähigkeiten werden durch Wahrnehmen, Vergleichen, Unterscheiden erzeugt. Das lässt sich nur mit einer selbst schon kreativen Methodik vermitteln, die z.B. von gezielt gewählten Gestaltungsbeispielen ausgeht. Im Übrigen ist Gestaltungsunterricht immer eine Kombination aus theoretischen und praktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, d.h. Methoden des fachpraktischen Unterrichts müssen Methoden des Theorieunterrichts – speziell des auf Prozesse und nicht nur auf Produkte bezogenen

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